Bedrohte Grenzen

Bedrohte Grenzen

Germania Inferior und Germania Superior zur Zeit Kaiser Marc Aurels.

Was bisher geschah ..

Die Ära der Adoptivkaiser, der "guten Kaiser" (96-160), war eine Zeit relativen Friedens, die dem Römischen Reich eine innere Erneuerung und wirtschaftlichen Aufschwung brachte. Auch Bonn erlebte eine Blütezeit. Doch schon während der Regierungszeit Marc Aurels (161-180) begann der lange Abwehrkampf des Römischen Reiches. Im Osten überfielen die Parther das römische Armenien; an der Donau drängten Barbarenvölker in die römischen Provinzen Raetien, Noricum und Pannonien.

Der Offizier Uvius Pino von der legio I Minervia und seine Frau Nauticula Minor hatten lange Zeit glücklich in ihrer "Villa Alaudae" gelebt und ihre drei Kinder Lenticula, Nautianus und Fabicula aufwachsen sehen. Nautianus war mit Leib und Seele Offizier der Classis Germanica, Lenticula führte die "Villa Alaudae" und war mit einem Offizier der legio I Minervia verheiratet, Fabicula hatte Verenatus vom Handelshaus Olivifer geheiratet und lebte mit ihm in Augst. Am Ende seiner Dienstzeit heiratete Nautianus Anike aus Nimwegen und gründete mit ihr eine Familie.

Bitten an die Aufanischen Mütter (um 158)

Seit langem war der Kult der Aufanischen Mütter im Rheinland tief verwurzelt. Bonn war sogar zum Zentrum des Kults geworden und auch das römische Militär hatte ihn in seinen Festtagskalender übernommen. Nun, zur Zeit des Kaisers Anto-ninus Pius, war ihnen ein großes Zentralheiligtum erbaut worden. Es lag im Westen der Stadt an einer Biegung der Gumme. Weit über Bonn hinaus kamen Menschen hierher, um den Aufanischen Müttern zu danken oder ihren Schutz zu erbitten. Auch Fabicula kam regelmäßig nach Bonn und legte im Namen der ubischen Hilfstruppen im fernen Dakien dort einige Blumen nieder.

An diesem Tag hatte sich Lenticula mit ihrem Ehemann Lucianus hierhin begeben. Da stand ein Weihestein für einen gefallenen Kameraden der legio I Minervia. Auch wenn Kaiser Antoninus Pius keine großen Kriege führte, kam es doch zu Aufständen in Randbereichen des riesigen Römischen Reichs. Eine Abordnung der I Minervia war nach Mauretania Caesarensis geschickt worden, um dort einen Aufstand niederzuschlagen; Kameraden waren in der Ferne gefallen und begraben worden. Unter ihnen war ein älterer Legionär, der oft auf einen Imbiss in die "Villa Alaudae" gekommen war. Er hatte sich freiwillig für diesen Einsatz gemeldet, um Soldaten mit Familie die lange Trennung zu ersparen. Nun war er tot und lag irgendwo an den Gestaden des Mittelmeers begraben. "Ich weiß, Mauretania ist weit weg", bat Lenticula leise, "aber vielleicht könnt Ihr helfen, dass sich dort in der Ferne Menschen auch um fremde Gefallene kümmern."

Lucianus, ihr Mann, schwieg. Er selbst war in Britannien an der Nordgrenze des Reiches gewesen, am Hadrianswall, und auch nach seiner Rückkehr hatte er die Entwicklung dort verfolgt. Noch immer standen vier Legionen auf der Insel. Kaiser Antoninus Pius hatte die Grenze nach Norden verlegen lassen und einen zweiten Wall errichten lassen. Die neue Grenze war deutlich kürzer als der Hadrianswall, aber Rom hatte sie nicht halten können. Nun wurde die Grenze zurückverlegt und am Hadrianswall standen viele Reparaturen an.

Wieder hatte man eine Abordnung der legio I Minervia nach Britannien beordert, und auch ihr Sohn Lucianus Minor war unter ihnen. Beide Eltern waren sehr besorgt, denn aus Britannien kam Kunde von einem Aufstand. Lucianus hatte die Feinde gegen die römischen Kastelle anrennen sein - wilde, bemalte Krieger, die alles und jeden niedermachen würden, wäre das römische Militär nicht zur Stelle. Doch er hatte auch von geldgierigen, korrupten Provinzbeamten gehört, die nichts um die ihnen unterstellten Menschen gaben - egal ob einheimische Britannier oder Römer. Kaiser Antoninus Pius war sicher ein rechtschaffener Mann, zahlreiche seiner Vertreter in den Provinzen waren es nicht. Doch vor Lenticula wollte er nicht davon reden. "Mach' Dir nicht so viele Sorgen", sagte er, "unser Sohn ist bei den Bau-ingenieuren, die den Hadrianswall befestigen, bevor etwas passiert. Sie ziehen nicht in einen neuen Krieg."

Partherfeldzug (162-166)

Schon wenige Jahre später fanden sich wieder viele Menschen am Heiligtum der Aufanischen Mütter ein und baten um Schutz für sich und ihre Lieben. Weit im Osten hatten die Parther das römische Armenien überfallen, es kam zum Krieg.

Von überall her zog Kaiser Marc Aurel Truppen zusammen, die ganze legio I Minervia erhielt den Marschbefehl. Als die Legion aufbrach, standen viele Menschen am Lagertor, um ihnen Lebewohl zu sagen. Auch Nautianus, seine Frau Anike und seine Schwester Lenticula waren dabei. Er hatte gerade seinen aktiven Dienst bei der Flotte beendet und freute sich auf das Leben mit Anike. Lenticulas Sohn war noch immer in Britannien, und auch wenn keiner aus ihrer Familie mitzog, fühlten sie mit ihren Freunden und deren Familien. Gerade salbaderte ein Karriereoffizier aus Rom, der vor kurzem zur Legion gestoßen war, lautstark von einem überwältigenden Sieg und einem anschließenden Triumphzug in Rom. Er kannte die Trajanssäule, auf der Kaiser Trajan seinen Feldzug hatte verherrlichen lassen, und erhoffte sich wohl Ähnliches für diesen Feldzug. Nautianus schauderte es. Sein Vater Uvius Pino hatte ihm vom Dakerkrieg erzählt, von blutigen Kämpfen, Tod und Zerstörung und Jahren fern der Heimat. Nun zogen wieder Söhne, Brüder, Männer und Väter in einen Krieg am anderen Ende des riesigen Reiches.

Die Pest (167)

Bange Jahre für die Angehörigen und Freunde der Bonner Legionäre gingen ins Land. Ab und zu kamen Nachrichten von der Front im Osten des Reiches an den Rhein. Ein römisches Heer mit der legio I Minervia hatte Armenien für Rom zurückerobert, einige Soldaten waren bis zum Kaspischen Meer gekommen, und Mitkaiser Lucius Verus nannte sich bereits "Armenien-Sieger". Aber von den Männern hatten sie nichts erfahren.

Wieder stand Lenticula am Rheinufer. Da lagen jede Menge Steine am Kai, die eigentlich weiter transportiert werden sollten, doch nun machten die Menschen in Bonn daraus Grabsteine. Viele Männer der legio I Minervia waren nicht zurückgekommen, und die Heimkehrer waren von Krankheit und Angst gezeichnet.

Die römische Armee im Osten hatte gesiegt, doch um welchen Preis! Ein anderes Heer hatte die parthischen Metropolen Ktesiphon und Seleukia am Euphrat erobert und den Königspalast dem Erdboden gleich gemacht, nicht einmal vor Tempeln hatten sie halt gemacht. Bald darauf war eine verheerende Seuche ausgebrochen - beim Brandschatzen und Plündern hatten sich die römischen Soldaten infiziert. In den beengten Quartieren des Heeres, wo acht Männer sich ein Zelt teilten, verbreitete die Seuche sich rasend schnell, und auf dem Weg zurück über Athen schleppten die Legionäre sie mit ins Reich.

In Rom triumphierten die siegreichen Kaiser. Doch nach dem Triumphzug der Truppen brach die Seuche auch in Rom aus und verheerte Italien und Spanien. Entlang der Rückwege der Soldaten und der Handelsrouten verbreitete sie sich weiter an den Rhein und bis hinauf nach Britannien. Es gab kein Heilmittel und auch die Verbreitung konnte nicht verhindert werden; in vielen Regionen starben unzählige Menschen einfach weg. In der Landwirtschaft wurden in diesen Regionen das Land nicht mehr bestellt, Ernten fielen aus und es kam zu Versorgungsengpässen oder gar Hunger. Man hörte schon von Massenfluchten in Ägypten, der Kornkammer des Reiches. "Was für ein bitterer Triumph", dachte Lenticula. Nicht, dass sie überhaupt etwas davon hielt, besiegte Feinde vorzuführen, und die Spiele verabscheute sie wie ihr Vater. Jetzt machte die Seuche vor niemandem Halt, egal ob Feind oder Römer.

Aufbruch an die Front (167)

Am Ufer lag das Schiff ihres Bruders Nautianus vor Anker. Bald würde er ablegen und mit seinen Kameraden von der Flotte nach Süden fahren. Es war noch schlimmer gekommen: An der mittleren Donau hatten Barbaren in breiter Front die Grenze überrannt, die Wachposten niedergemacht und verwüsteten nun römisches Gebiet. Kaiser Marc Aurel zog alle verfügbaren Truppen und Flotteneinheiten an der Donau zusammen, auch Einheiten der legio I Minervia waren auf dem Weg. Nautianus war klar, dass es viel zu wenig waren, um die langgestreckte Grenze wirksam zu verteidigen. Doch die Donau als Hauptverbindungsweg durch die römischen Provinzen in Mittel- und Südosteuropa zum Schwarzen Meer war für das Reich lebenswichtig. Auch als Veteran konnte er jetzt nicht ruhig daheim bleiben. "Wir müssen dem Konvoi der Handelsschiffe Geleitschutz zu geben", hatte er im Familienkreis gesagt, "und wir müssen wissen, was mit unseren Leuten ist - mit Lenticula und Verenatus in Augst, mit dem Stammhaus in Mailand, und den Freunden und Handelspartnern an der Donau." Doch es fiel ihm sehr schwer, sich von seiner Familie zu trennen. Anike und er hatten zwei Kinder, den Sohn Vigilius und die Tochter Rubula; sie würden nun bei Lenticula bleiben.

Bevor er ablegte, nahm er sie noch einmal mit auf sein Schiff. "Schaut, unser Schiff ist sehr schnell und stabil, und unsere Männer an Bord sind tapfere Soldaten. Aber die Donau ist ein gewaltiger Fluss mit vielen gefährlichen Stellen." Vigilius wusste, worauf sein Vater hinaus wollte. Er schluckte, dann sagte er tapfer: "Deine Kameraden werden froh sein, dass ein so erfahrener Flottenoffizier wie Du dabei ist." "Und Onkel Verenatus und sein Sohn erst", ergänzte Anike ebenso tapfer, "er fährt auch in dieser gefährlichen Zeiten die Donau hinab und bringt Mannschaften, Ausrüstung und Lebensmittel heran." Die kleine Rubula auf seinem Arm schmiegte sich an ihn. Nautianus schaute sie alle liebevoll an und nickte. "Fabicula leitet das Geschäft daheim, die Männer sind schon auf dem Weg an die Front. Von der Versorgung unserer Truppen hängt jetzt alles ab", sagte er, "deshalb müssen wir mit der Flotte die Handelsschiffe auf dem Rhein und der Donau schützen." Er schwieg einen Moment, dann sagte er bewegt: "Lenticula und Ihr werdet hier in Bonn die Stellung halten. Ich weiß, Ihr schafft das." Als das Schiff ablegte, ahnte selbst der erfahrene Nautianus nicht, wie lange der Krieg dauern würde.

Markomannen-Kriege (167-180)

Das Römische Reich steckte in einer tiefen Krise: Die Seuche hatte unzählige Menschenleben gefordert, auch Mitkaiser Lucius Verus war daran gestorben, es fanden sich kaum neue Männer für die Armee und der Kaiser hatte kein Geld, um seine Soldaten zu bezahlen. In dieser Notlage rekrutierte man sogar Straftäter, Sklaven und Gladiatoren.

Doch die Katastrophe nahm ihren Lauf: Immer wieder griffen die Barbaren an, bereiteten der unerfahrenen römische Armee eine verheerende Niederlage und fielen sogar in Italien ein. Kaiser Marc zog entlang der Donau nach Norden ins Markomannen-Land. Acht Jahre dauerte der erbittert geführte Krieg, dann hatte die römische Armee die Feinde besiegt.

Endlich konnte auch Nautianus zurück zu seiner Familie; in den letzten Jahren hatte er sie kaum gesehen. Auch zuhause am Rhein war einiges geschehen. Während der Kaiser an der Donau kämpfte, waren die germanischen Chauken aus dem Norden Germanias auf dem Seeweg in Gallia Belgica eingefallen. Der Statthalter hatte sie mithilfe der verbliebenen Teile des Heeres besiegen können. Lenticulas Sohn Lucianus Minor war mit dabei gewesen; ihr Mann hatte wegen seines hohen Alters nicht mitziehen können, doch darauf bestanden, sich im Lager um die Ausrüstung der Legion zu kümmern. Lenticula, Anike und Tochter Rubula hatten die Versorgung der Menschen daheim aufrecht erhalten.

Nautianus' Sohn Vigilius war fast erwachsen und wollte wie sein Vater in die Flotte eintreten. Das war ein ehrbarer Weg, den er, als langjähriger Flottenoffizier, ihm nicht abschlagen konnte. Doch als Vater war er tief besorgt. Nach dem römischen Sieg waren nicht einmal friedliche Germanen verschont geblieben: Römische Legionäre hatten Dörfer überfallen, Frauen und Kinder versklavt und sogar Belohnungen für die abgeschlagenen Köpfe ihrer Feinde erhalten. Nautianus war entsetzt; so schürte man nur Hass. Schon wenige Jahre später brach an der Donaugrenze wieder Krieg aus. Seit einem Jahr war Vigilius bei der Flotte und übernahm mit seinen Kameraden den Schutz der Handelsschiffe. Der Vater wäre am liebsten wieder mitgefahren; nur die dringende Mahnung des Sohnes, dass nicht alle erfahrene Offizier wegziehen und Germania Inferior bei einem erneuten Angriff der Chauken schutzlos zurücklassen sollten, hatte ihn davon abgehalten.

Immer neue Pestwellen verheerten das Reich, und auch das Stammhaus der Olivifers im italienischen Mailand wurde schwer heimgesucht; die Handelswege brachen zusammen. Mit dem Mut der Verzweiflung hielten Verenatus und Fabicula den Betrieb aufrecht und lieferten was sie auftreiben konnten an die Front. Bis zuletzt steuerte Verenatus das Legionslager Vindobona an und brachte Lebensmittel, obwohl schlimme Nachrichten von dort kamen. Doch wie konnte er in dieser schweren Zeit seine Landsleute und seine Geburtsstadt alleine lassen?

Schließlich wurde auch er schwer krank, und man brachte ihn in ein Feldlazarett in Vindobona. Tagelang schwebte er zwischen Leben und Tod. Sogleich war Fabicula an sein Lager geeilt, und auch sein Sohn und Vigilius kamen so oft es ging. Endlich war Verenatus außer Lebensgefahr und schlief tief und ruhig. Ein Arzt trat zu ihm; er gehörte zur legio III Augusta, die aus Africa an die Donau kommandiert worden war. "Ich wünsche ihm von Herzen, dass er wieder ganz gesund wird", sagte er, "er hat so viel für uns getan". "Er liebt seinen Beruf", antwortete Fabicula, "vor allem den Handel mit Oliven und Olivenöl. Doch durch die Pest und den Krieg ist fast alles bei uns zusammengebrochen". Ein Lächeln glitt über die müden Züge des Arztes. "Oliven", sagte er weich, "das lässt mich an zuhause denken. Daheim in Hadru-metum, das liegt südlich von Karthago, haben wir herrliche Olivenbäume und bestes Olivenöl." Er verstummte für eine kurze Zeit, war in Gedanken in seiner Heimat. Dann fuhr er fort: "Wenn Ihr wollt, könnte ich Euch da was vermitteln. Sofern wir diesen Krieg überleben und gesund zurückkehren. Aber versprecht mir, dass Ihr dann auch nach Aquincum (Budapest) liefert. Viele unserer Männer gehen nicht zurück, sondern werden in die legio II Adiutrix versetzt, nachdem so viele Legionäre gefallen sind. Sie sollen auch dort ein Stückchen zuhause haben." Fabicula lächelte. "Unseren Leuten ein Stückchen zuhause zu bringen, darin haben wir Übung", sagte sie, "das versprechen wir gerne."

Oliven aus Africa (um 180/181)

Verenatus und Fabicula waren zurück in Augst und hatten auch ihren Sohn wohlbehalten wieder. Doch wie sollte es mit dem Handelshaus Olivifer weitergehen? Die Pest hatte das Haus zu schwer getroffen, als dass es alleine weiterbestehen und gar eine neue Handelsroute über das Mittelmeer nach Afrika aufbauen konnte. Der Patron in Mailand entschied, sein Haus in ein befreundetes Handelsunternehmen, das Al'Alio, einzugliedern, welches seinen Stammsitz in Lyon hatte und über Schiffe und Handelsrouten bis hinauf nach Germania Superior und Germania Inferior verfügte. Es war eine schwere Entscheidung, doch nur so konnten sie ihren Handel mit Oliven und Olivenöl weiter betreiben. Verenatus trug diese Entscheidung des Patrons mit. Fabicula und er würden in Augst wohnen bleiben, ihr Haus bliebe immer in der Familie, und ihr Sohn würde nach Lyon gehen und von dort aus den Handel weiter betreuen.

Für Verenatus war nun jeder Tag ein Geschenk. Er ließ es sich nicht nehmen, zusammen mit seiner geliebten Frau Fabicula nach Africa zu reisen, um seinen Freund, den Arzt der legio III Augusta wiederzusehen und das Herkunftsland seiner neuen Waren kennenzulernen. Fast ergriffen ging er mit ihm durch die uralten Olivenhaine. Seit Anbeginn der römischen Zivilisation wurden die Olivenbäume dort als heilige Pflanzen verehrt, und die Oliven wurden gleich nach der Ernte in Lake konserviert. All dies hatte eine lange Tradition, in die sein Haus nun eintrat. Als er die ersten Oliven und die ersten Amphoren Olivenöl mit auf den Heimweg nahm, war er voller Zuversicht.

Einige Wochen später brachten Verenatus und Fabicula die ersten Oliven aus Africa nach Bonn. Die Wiedersehensfreude war groß. Lange saßen Lenticula, Nautianus und Fabicula, die "Legio Mama Victrix", zusammen am Rheinufer, genossen den Ausblick auf den Fluss und die Berge und beobachteten die Schiffe. An eben dieser Stelle hatten sie als Kinder die Flottenparade Kaiser Hadrians auf dem Rhein gesehen. "Unser Junge ist schon auf dem Weg zu Al'Alio in Lyon, er wird dort mitarbeiten und unsere Handelspartner am Rhein und an der Donau betreuen", sagte Fabicula, "und er wird sicher auch oft selbst zu Euch kommen." "Rubula wird die 'Villa Alaudae' übernehmen", sagte Nautianus lächelnd, "auch Anike und ich bleiben in der Nähe. Ich weiß doch, dass Ihr ohne ihre köstlichen Pofertiuli nicht mehr auskommt."

Auch Lenticula lächelte schelmisch. "Mein Junge wird nicht mithelfen können" begann sie, "im Gegenteil, wir werden Essen in sein Haus liefern müssen." Immer mehr Menschen von weit her kamen nach Bonn, um die Reihen der legio I Minervia wieder aufzufüllen; viele von ihnen kamen aus dem Osten. Als Veteran kümmerte sich Lenticulas Sohn Lucianus Minor um sie und half ihnen, sich in der fremden Umgebung schnell zurechtzufinden. Oft übte er mit ihnen und ihren Angehörigen auch Latein, so wie sich seine Frau um die Frauen und Töchter der Zugezogenen kümmerte. All dies ging besser bei einem leckeren Imbiss aus der "Villa Alaudae".

So war alles gut geregelt. "Erinnert Ihr Euch an damals, an Discordans?" fragte Lenticula, "wenn der wüsste, dass wir nun auch noch ins Haus liefern!" Sie alle kicherten, dachten an ihre unbeschwerte Kindheit am Rhein. Diese Zeit war lange vorbei, dennoch war heute kein Tag für Wehmut. Lenticula, Nautianus und Fabicula hatten ihre Lieben und sich gut durch die schweren Kriegsjahre gebracht- noch einmal hatte die "Legio Mama Victrix" ihrem Namen alle Ehre gemacht.

Bildnachweis

Das Bild von Kaiser Marc Aurel stammt aus der deutschen Wikipedia, public domain section. Dem Urheber Giovanni dall'Orto danke ich dafür.